Anna-Karenina (Open Air 2016)

„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie
ist auf ihre eigene Weise unglücklich“.

(Tolstoi)

‚Anna-Karenina‘: Mit einer Bühnenfassung des Romans von Tolstoi wird das Neue Hoftheater einen absoluten Klassiker der Weltliteratur auf die Bühne bringen, einen Stoff, der so oft verfilmt wurde wie kein anderer. Auch über zwanzig Übersetzungen des Romans allein ins Deutsche sprechen für die Ausnahmestellung dieser Geschichte. Der Roman steht thematisch neben anderen bedeutsamen realistischen Romanen in Europa, was zeigt, wie wichtig das Sujet in dieser Zeit war. Madame Bovary von Gustave Flaubert, Effi Briest und L’Adultera von Theodor Fontane können in der Epoche des Realismus für diese Art des „Verführungsromans“ am Ende des 19. Jahrhunderts zum Vergleich herangezogen werden.

Nach dem Lesen verschiedener Theaterbearbeitungen dieses Stoffes hat sich das NHG für die Fassung von Anne-Sylie König und Amina Gusner entschieden. Diese Fassung wurde 2007 uraufgeführt. Die Koproduktion mit dem Euro-Studio Landgraf mit Katja Riemann in der Titelrolle ging anschließend auf Deutschland-Tournee.

„Anna Karenina, eine Frau aus den besten gesellschaftlichen Kreisen St. Petersburgs, reist allein zu ihrem Bruder Stiwa nach Moskau. Bei ihrer Ankunft begegnet sie dem Offizier Wronskij, beide verlieben sich auf den ersten Blick. Anna Karenina begeht Ehebruch, ihr Mann Karenin bestraft sie mit dem Entzug des gemeinsamen Kindes.

Bis zu ihrem Selbstmord auf den Zuggleisen durchläuft Anna verschiedene Stationen ihres Kampfes zwischen Leidenschaft und Schuldgefühl. Die obsessive Liebe zwischen ihr und Wronskij hat das Leben der drei Menschen radikal verändert – ein Zurück gibt es nicht mehr. Neben der Dreiecksgeschichte verfolgt Leo Tolstoi in seinem Roman zwei andere Modelle der Liebes- und Ehebeziehung: die kinderreiche Verbindung von Annas leichtlebigem Bruder mit Dolly und die zunächst unerfüllte und doch in eine Heirat mündende Liebe von Stiwas Freund Lewin zu Dollys Schwester Kitty.

Diese drei Stränge, in denen es um die verschiedenen Entwürfe von Liebesbeziehungen und Familie geht, haben die Dramaturgin Anne-Sylvie König und die Regisseurin Amina Gusner in ihrer Dramatisierung des weltberühmten Romans der russischen Belle Epoque herausextrahiert: Das Zentrum der Fassung bildet die Dreiecksgeschichte zwischen der charismatischen Anna, ihrem karrierehungrigen, emotional verkümmerten Ehemannes Karenin und dem unbeschwerten Liebhaber Wronskij. Aber auch der Lebensentwurf von Annas Bruder Stiwa, der die emotionale Sicherheit seiner Familie mit seinem Freiheitsdrang zu vereinbaren versucht und daran wiederholt scheitert, und der des Autors Lewin und seiner beruflich emanzipierten Frau Kitty umrahmen und durchkreuzen den Weg Anna Kareninas. Drei moderne Paare im Ringen um Liebe und Nähe bei gleichzeitiger individueller Selbsterfüllung – ein Thema zeitloser Relevanz.“

Quelle DREI MASKEN Verlag München


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Es spielten:

Heidi Buchhorn, Fabian Dick, Isabelle Heimler, Tom Keymer, Jochen Krämer, Thomas Lorbeer, Sanna Rech-Bigot, Dion Wilde

Regie: Thomas Winkler